Tabula rasa (Die unbeschriebene Tafel)
Am Anfang war die Tafel leer,
ein Menschenkind steigt in die Zeit.
Erst kommt ein Laut und immer mehr,
der Mensch lernt schnell, es ist nicht schwer.
Das Hirn ist wie ein Schwamm bereit.
Es saugt auch Auge, Herz und Ohren.
Gefühle, Worte, bunte Szenen.
In Unschuld wird ein Kind geboren,
noch bleibt sein Urteil ungeschoren.
Es schläft noch viel und liebt das Gähnen.
Dann wird es größer, versteht die Laute.
Und Worte werden plötzlich Taten.
Als es noch aus dem Bettchen schaute
und manchen Schatten nicht vertraute --
Schon kam es in den Kindergarten.
Nun hieß es lernen und verstehen.
An kleinen Händchen Schmutz vom Sand.
Der Tag war leicht und gern geschehen.
Jetzt konnten Augen besser sehen
und nicht mehr fern war der Verstand.
Die große Zuckertüte war geleert.
Der Lehrer spricht vom ABC.
Nun sitze stille, unbeschwert!
Das Einmaleins ist sehr begehrt.
Der erste Tadel kommt, oh weh!
Es geht jetzt schon um erste Werte.
Und Stärke ziert die kleinen Gruppen.
Wer jetzt schon frech ein Bier verzehrte
und seine Bande damit ehrte,
der darf sich schon als King entpuppen.
Die Welt wird sachlich aufgeteilt,
in richtig, falsch und stets korrekt.
Das Weltbild wird jetzt abgeseilt,
aufs Köpfchen, das noch gar nichts peilt.
Der Beste wird, wer Ärsche leckt --
Arbeit kommt und Kindheit geht.
Der Mensch wird wie ein Hamster wild.
Das Rad der Zeit nie stille steht,
selbst wenn Gesundheit baden geht.
So zeichnet sich ein Menschenbild.
Was hat ein Kind ins Hirn bekommen?
Was ist es was wir Wissen nennen?
Die Unschuld ist dem Mensch genommen
am Tag, da er ins SEIN gekommen.
Nun darf er sich von allem trennen.
Die Spaltung ist sehr immanent
in dem System der großen Macht.
Die Meinung ist jetzt mehr ein Trend.
Wer hätte dieses schon gedacht.
Am Tage wenn das Kind erwacht:
Steht schon geschrieben: Gute Nacht!
Einst war´n die Tafel unbeschrieben,
in aller Menschen Wiegen.
Geboren wird der Mensch zu lieben
und Wut und Zorn zur Seit´zu schieben.
Kein Zwang darf uns bekriegen!
Es sei der Mensch, mehr gut als Blut,
an allen seinen Tagen.
Ein warmes Herz trägt alle Glut;
der guten Seele ewig Mut,
tönt dann durch alte Sagen.
Eines zählt für alle Zeit:
Erfahrung, gilt der Ewigkeit!
© by @seo-boss
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